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Texts by Wilhelm Müller
Translations by Celia Sgroi

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1. Gute Nacht

Fremd bin ich eingezogen,

Fremd zieh' ich wieder aus.

Der Mai war mir gewogen

Mit manchem Blumenstrauß.

 

Das Mädchen sprach von Liebe,

Die Mutter gar von Eh', -

Nun ist die Welt so trübe,

Der Weg gehüllt in Schnee.

 

Ich kann zu meiner Reisen

Nicht wählen mit der Zeit,

Muß selbst den Weg mir weisen

In dieser Dunkelheit.

 

Es zieht ein Mondenschatten

Als mein Gefährte mit,

Und auf den weißen Matten

Such' ich des Wildes Tritt.

 

Was soll ich länger weilen,

Daß man mich trieb hinaus ?

Laß irre Hunde heulen

Vor ihres Herren Haus;

 

Die Liebe liebt das Wandern -

Gott hat sie so gemacht -

Von einem zu dem andern.

Fein Liebchen, gute Nacht !

 

Will dich im Traum nicht stören,

Wär schad' um deine Ruh'.

Sollst meinen Tritt nicht hören -

Sacht, sacht die Türe zu !

 

Schreib im Vorübergehen

Ans Tor dir: Gute Nacht,

Damit du mögest sehen,

An dich hab' ich gedacht

 

1. Good Night

I came here a stranger,

As a stranger I depart.

May favored me

With many a bunch of flowers.

 

The girl spoke of love,

Her mother even of marriage -

Now the world is so gloomy,

The road shrouded in snow.

 

I cannot choose the time

To begin my journey,

Must find my own way

In this darkness.

 

A shadow of the moon travels

With me as my companion,

And upon the white fields

I seek the deer's track.

 

Why should I stay here any longer

So that people can drive me away ?

Let stray dogs howl

In front of their master's house;

 

Love loves to wander -

God made it that way -

From one to the other,

My dearest, good night !

 

I don't want to disturb your dreaming,

It would be a shame to wake you.

You won't hear my step,

Softly, softly the door closes !

 

I write in passing

On your gate: Good night,

So that you may see

That I thought of you.

 


2. Die Wetterfahne

Der Wind spielt mit der Wetterfahne

Auf meines schönen Liebchens Haus.

Da dacht' ich schon in meinem Wahne,

Sie pfiff den armen Flüchtling aus.

 

Er hätt' es eher bemerken sollen,

Des Hauses aufgestecktes Schild,

So hätt' er nimmer suchen wollen

Im Haus ein treues Frauenbild.

 

Der Wind spielt drinnen mit den Herzen

Wie auf dem Dach, nur nicht so laut.

Was fragen sie nach meinen Schmerzen ?

Ihr Kind ist eine reiche Braut.

 

2. The Weathervane

The wind plays with the weathervane

On my lovely darling's house.

And I thought in my delusion,

That it mocked the poor fugitive.

 

He should have noticed sooner

The symbol displayed on the house,

So he wouldn't ever have expected

To find a faithful woman within.

 

The wind plays with the hearts inside

As it does on the roof, only not so loudly.

Why should they care about my grief ?

Their child is a rich bride.

 


3. Gefror'ne Tränen

Gefrorne Tropfen fallen

Von meinen Wangen ab:

Ob es mir denn entgangen,

Daß ich geweinet hab' ?

 

Ei Tränen, meine Tränen,

Und seid ihr gar so lau,

Daß ihr erstarrt zu Eise

Wie kühler Morgentau ?

 

Und dringt doch aus der Quelle

Der Brust so glühend heiß,

Als wolltet ihr zerschmelzen

Des ganzen Winters Eis !


3. Frozen Tears

Frozen drops are falling

Down from my cheeks.

How could I have not noticed

That I have been weeping ?

 

Ah tears, my tears,

And are you so tepid

That you freeze to ice

Like cool morning dew ?

 

Yet you burst from the wellspring

Of my heart so burning hot,

As if you wanted to melt

The entire winter's ice !


4. Erstarrung

Ich such' im Schnee vergebens

Nach ihrer Tritte Spur,

Wo sie an meinem Arme

Durchstrich die grüne Flur.

 

Ich will den Boden küssen,

Durchdringen Eis und Schnee

Mit meinen heißen Tränen,

Bis ich die Erde seh'.

 

Wo find' ich eine Blüte,

Wo find' ich grünes Gras ?

Die Blumen sind erstorben,

Der Rasen sieht so blaß.

 

Soll denn kein Angedenken

Ich nehmen mit von hier ?

Wenn meine Schmerzen schweigen,

Wer sagt mir dann von ihr ?

 

Mein Herz ist wie erstorben,

Kalt starrt ihr Bild darin;

Schmilzt je das Herz mir wieder,

Fließt auch ihr Bild dahin !

 

4. Numbness

I search the snow in vain

For the trace of her steps.

Where she, arm in arm with me,

Crossed the green meadow.

 

I want to kiss the ground,

Penetrate ice and snow

With my hot tears,

Until I see the soil.

 

Where will I find a blossom,

Where will I find green grass ?

The flowers are all dead,

The turf is so pale.

 

Shall then no memento

Accompany me from here ?

When my pains cease,

Who will tell me of her then ?

 

My heart is as if dead,

Her image frozen cold within;

If my heart ever thaws again,

Her image will melt away, too !


5. Der Lindenbaum

Am Brunnen vor dem Tore

Da steht ein Lindenbaum;

Ich träumt' in seinem Schatten

So manchen sü.en Traum.

 

Ich schnitt in seine Rinde

So manches liebe Wort;

Es zog in Freud' und Leide

Zu ihm mich immer fort.

 

Ich mußt' auch heute wandern

Vorbei in tiefer Nacht,

Da hab' ich noch im Dunkeln

Die Augen zugemacht.

 

Und seine Zweige rauschten,

Als riefen sie mir zu:

Komm her zu mir, Geselle,

Hier find'st du deine Ruh' !

 

Die kalten Winde bliesen

Mir grad' ins Angesicht;

Der Hut flog mir vom Kopfe,

Ich wendete mich nicht.

 

Nun bin ich manche Stunde

Entfernt von jenem Ort,

Und immer hör' ich's rauschen:

Du fändest Ruhe dort !

 

5. The Linden Tree

At the well by the gate

There stands a linden tree;

I dreamed in its shadow

Many a sweet dream.

 

I carved in its bark

Many a word of love;

In joy and in sorrow

I was always drawn to it.

 

Again today I had to travel

Past it in the depths of night.

There even in the darkness

I closed my eyes.

 

And its branches rustled,

As if they called to me:

Come here to me, friend,

Here you'll find peace !

 

The cold winds blew

Right into my face;

The hat flew off my head,

I didn't turn around.

 

Now I am many hours

Distant from that place,

And I still hear it whispering:

You'd find peace here !


6. Wasserflut

Manche Trän' aus meinen Augen

Ist gefallen in den Schnee;

Seine kalten Flocken saugen

Durstig ein das heiße Weh.

 

Wenn die Gräser sprossen wollen

Weht daher ein lauer Wind,

Und das Eis zerspringt in Schollen

Und der weiche Schnee zerrinnt.

 

Schnee, du weißt von meinem Sehnen,

Sag', wohin doch geht dein Lauf ?

Folge nach nur meinen Tränen,

Nimmt dich bald das Bächlein auf.

 

Wirst mit ihm die Stadt durchziehen,

Muntre Straßen ein und aus;

Fühlst du meine Tränen glühen,

Da ist meiner Liebsten Haus.

 

6. Flood Water

Many a tear from my eyes

Has fallen in the snow;

Its cold flakes absorb

Thirstily the burning woe.

 

When it's time for the grass to sprout

There blows a mild wind,

And the ice will break apart

And the soft snow melt away.

 

Snow, you know about my longing,

Tell me, where does your course lead ?

If you just follow my tears,

The brook will soon receive you.

 

You will flow through the town with it,

In and out of the busy streets;

When you feel my tears burning,

There is my sweetheart's house.


7. Auf dem Fluße

Der du so lustig rauschtest,

Du heller, wilder Fluß,

Wie still bist du geworden,

Gibst keinen Scheidegruß.

 

Mit harter, starrer Rinde

Hast du dich überdeckt,

Liegst kalt und unbeweglich

Im Sande ausgestreckt.

 

In deine Decke grab' ich

Mit einem spitzen Stein

Den Namen meiner Liebsten

Und Stund' und Tag hinein:

 

Den Tag des ersten Grußes,

Den Tag, an dem ich ging;

Um Nam' und Zahlen windet

Sich ein zerbroch'ner Ring.

 

Mein Herz, in diesem Bache

Erkennst du nun dein Bild ?

Ob's unter seiner Rinde

Wohl auch so reißend schwillt ?


7. On the River

You who thundered so cheerfully,

You clear, untamed river,

How quiet you have become,

Give no word of farewell.

 

With a hard stiff crust

You have covered yourself,

Lie cold and unmoving,

Outstretched in the sand.

 

In your covering I inscribe

With a sharp stone

The name of my sweetheart

And the hour and day, as well.

 

The day of the first greeting,

The day on which I left;

Around name and figures winds

A broken ring.

 

My heart, in this stream

Do you now recognize your image ?

And under its crust

Is there also a raging torrent ?


8. Rückblick

Es brennt mir unter beiden Sohlen,

Tret' ich auch schon auf Eis und Schnee,

Ich möcht' nicht wieder Atem holen,

Bis ich nicht mehr die Türme seh'.

 

Hab' mich an jedem Stein gestoßen,

So eilt' ich zu der Stadt hinaus;

Die Krähen warfen Bäll' und Schloßen

Auf meinen Hut von jedem Haus.

 

Wie anders hast du mich empfangen,

Du Stadt der Unbeständigkeit !

An deinen blanken Fenstern sangen

Die Lerch' und Nachtigall im Streit.

 

Die runden Lindenbäume blühten,

Die klaren Rinnen rauschten hell,

Und ach, zwei Mädchenaugen glühten. -

Da war's gescheh'n um dich, Gesell !

 

Kommt mir der Tag in die gedanken,

Möcht' ich noch einmal rückw.rts seh'n.

Möcht' ich zurücke wieder wanken,

Vor ihrem Hause stille steh'n.


8. A Look Backward

It’s burning under both my feet,

Even though I walk on ice and snow;

I don't want to catch my breath

Until I can no longer see the spires.

 

I tripped on every stone,

As I hurried out of the town;

The crows hurled chunks of snow and ice

On my hat from every house.

 

How differently you received me,

You town of inconstancy !

At your sparkling windows sang

The lark and nightingale in competition.

 

The bushy linden trees bloomed,

The clear streams murmured brightly,

And, oh, two maiden's eyes glowed -

Your fate was sealed, my boy !

 

Whenever that day enters my thoughts,

I want to look back once more,

I want to turn back again

And stand still before her house.


9. Irrlicht

In die tiefsten Felsengründe

Lockte mich ein Irrlicht hin;

Wie ich einen Ausgang finde,

Liegt nicht schwer mir in dem Sinn.

 

Bin gewohnt das Irregehen,

's führt ja jeder Weg zum Ziel;

Uns're Freuden, uns're Wehen,

Alles eines Irrlichts Spiel !

 

Durch des Bergstroms trockne Rinnen

Wind' ich ruhig mich hinab,

Jeder Strom wird's Meer gewinnen,

Jedes Leiden auch sein Grab.


9. Will o' the Wisp

Into the deepest mountain chasms

A will o' the wisp lured me;

How to find a way out

Doesn't worry me much.

 

I'm used to going astray,

And every way leads to the goal.

Our joys, our sorrows,

Are all a will o' the wisp's game !

 

Through the mountain stream's dry channel

I wend my way calmly downward.

Every river finds its way to the ocean,

And every sorrow to its grave.


10. Rast

Nun merk' ich erst wie müd' ich bin,

Da ich zur Ruh' mich lege;

Das Wandern hielt mich munter hin

Auf unwirtbarem Wege.

 

Die Fü.e frugen nicht nach Rast,

Es war zu kalt zum Stehen;

Der Rücken fühlte keine Last,

Der Sturm half fort mich wehen.

 

In eines Köhlers engem Haus

Hab' Obdach ich gefunden.

Doch meine Glieder ruh'n nicht aus:

So brennen ihre Wunden.

 

Auch du, mein Herz, in Kampf und Sturm

So wild und so verwegen,

Fühlst in der Still' erst deinen Wurm

Mit heißem Stich sich regen !


10. Rest

Now I first notice how tired I am

As I lay myself down to rest;

Walking kept me going strong

On the inhospitable road.

 

My feet didn't ask for rest,

It was too cold to stand still,

My back felt no burden,

The storm helped to blow me onward.

 

In a charcoal-burner's tiny house

I have found shelter;

But my limbs won't relax,

Their hurts burn so much.

 

You, too, my heart, in strife and storm

So wild and so bold,

Feel first in the silence your serpent

Stir with burning sting !


11. Frühlingstraum

Ich träumte von bunten Blumen,

So wie sie wohl blühen im Mai;

Ich träumte von grünen Wiesen,

Von lustigem Vogelgeschrei.

 

Und als die Hähne krähten,

Da ward mein Auge wach;

Da war es kalt und finster,

Es schrien die Raben vom Dach.

 

Doch an den Fensterscheiben,

Wer malte die Blätter da ?

Ihr lacht wohl über den Träumer,

Der Blumen im Winter sah ?

 

Ich träumte von Lieb um Liebe,

Von einer schönen Maid,

Von Herzen und von Küssen,

Von Wonne und Seligkeit.

 

Und als die Hähne krähten,

Da ward mein Herze wach;

Nun sitz' ich hier alleine

Und denke dem Traume nach.

 

Die Augen schließ' ich wieder,

Noch schlägt das herz so warm.

Wann grünt ihr Blätter am Fenster ?

Wann halt' ich mein Liebchen im Arm ?


11. Dream of Spring

I dreamed of many-colored flowers,

The way they bloom in May;

I dreamed of green meadows,

Of merry bird calls.

 

And when the roosters crowed,

My eye awakened;

It was cold and dark,

The ravens shrieked on the roof.

 

But on the window panes -

Who painted the leaves there ?

I suppose you'll laugh at the dreamer

Who saw flowers in winter ?

 

I dreamed of love reciprocated,

Of a beautiful maiden,

Of embracing and kissing,

Of joy and delight.

 

And when the roosters crowed,

My heart awakened;

Now I sit here alone

And reflect on the dream.

 

I close my eyes again,

My heart still beats so warmly.

When will you leaves on the window turn green ?

When will I hold my love in my arms ?


12. Einsamkeit

Wie eine trübe Wolke

Durch heit're Lüfte geht,

Wenn in der Tanne Wipfel

Ein mattes Lüftchen weht:

 

So zieh ich meine Straße

Dahin mit trägem Fuß,

Durch helles, frohes Leben

Einsam und ohne Gruß.

 

Ach, daß die Luft so ruhig !

Ach, daß die Welt so licht !

Als noch die Stürme tobten,

War ich so elend nicht.


12. Solitude

As a dreary cloud

Moves through the clear sky,

When in the crown of the fir tree

A faint breeze blows,

 

So I travel my road

Onward with sluggish feet,

Through bright, happy life,

Lonely and unrecognized.

 

Oh, that the air should be so still !

Oh, that the world should be so light !

When the storms still raged,

I was not so miserable.


13. Die Post

Von der Straße her ein Posthorn klingt.

Was hat es, daß es so hoch aufspringt,

Mein Herz ?

 

Die Post bringt keinen Brief für dich.

Was drängst du denn so wunderlich,

Mein Herz ?

 

Nun ja, die Post kommt aus der Stadt,

Wo ich ein liebes Liebchen hat,

Mein Herz !

 

Willst wohl einmal hinüberseh'n

Und fragen, wie es dort mag geh'n,

Mein Herz ?


13. The Post

From the highroad a posthorn sounds.

Why do you leap so high,

My heart ?

 

The post does not bring a letter for you,

Why the strange compulsion,

My heart ?

 

Of course, the post comes from the town,

Where I once had a dear sweetheart,

My heart !

 

Would you like to take a look over there,

And ask how things are going,

My heart ?


14. Der greise Kopf

Der Reif hatt' einen weißen Schein

Mir übers Haar gestreuet;

Da glaubt' ich schon ein Greis zu sein

Und hab' mich sehr gefreuet.

 

Doch bald ist er hinweggetaut,

Hab' wieder schwarze Haare,

Daß mir's vor meiner Jugend graut -

Wie weit noch bis zur Bahre !

 

Vom Abendrot zum Morgenlicht

Ward mancher Kopf zum Greise.

Wer glaubt's ? und meiner ward es nicht

Auf dieser ganzen Reise !

 

14. The Old-Man's Head

The frost has spread a white sheen

All over my hair;

I thought I had become an old man

And was very pleased about it.

 

But soon it melted away,

And now I have black hair again

So that I am horrified by my youth -

How long still to the grave !

 

From the sunset to the dawn

Many a head turns white.

Who can believe it ? And mine

Has not on this whole journey !


15. Die Krähe

Eine Krähe war mit mir

Aus der Stadt gezogen,

Ist bis heute für und für

Um mein Haupt geflogen.

 

Krähe, wunderliches Tier,

Willst mich nicht verlassen ?

Meinst wohl, bald als Beute hier

Meinen Leib zu fassen ?

 

Nun, es wird nicht weit mehr geh'n

An dem Wanderstabe.

Krähe, laß mich endlich seh'n

Treue bis zum Grabe !

15. The Crow

A crow has accompanied me

Since I left the town,

Until today, as ever,

It has circled over my head.

 

Crow, you strange creature,

Won't you ever leave me ?

Do you plan soon as booty

To have my carcase ?

 

Well, I won't be much longer

Wandering on the road.

Crow, let me finally see

Loyalty unto the grave !


16. Letzte Hoffnung

Hie und da ist an den Bäumen

Manches bunte Blatt zu seh'n,

Und ich bleibe vor den Bäumen

Oftmals in Gedanken steh'n.

 

Schaue nach dem einen Blatte,

Hänge meine Hoffnung dran;

Spielt der Wind mit meinem Blatte,

Zittr' ich, was ich zittern kann.

 

Ach, und fällt das Blatt zu Boden,

Fällt mit ihm die Hoffnung ab;

Fall' ich selber mit zu Boden,

Wein' auf meiner Hoffnung Grab.


16. Last Hope

Here and there on the trees

There's a colored leaf to be seen.

And I stop in front of the trees

Often, lost in thought.

 

I watch a particular leaf

And pin my hopes on it;

If the wind plays with my leaf

I tremble from head to foot.

 

Oh, and if the leaf falls to earth,

My hopes fall along with it.

I fall to earth as well

And weep on the grave of my hopes.


17. Im Dorfe

Es bellen die Hunde, es rasseln die Ketten;

Es schlafen die Menschen in ihren Betten,

Träumen sich manches, was sie nicht haben,

Tun sich im Guten und Argen erlaben;

 

Und morgen früh ist alles zerflossen.

Je nun, sie haben ihr Teil genossen

Und hoffen, was sie noch übrig ließen,

Doch wieder zu finden auf ihren Kissen.

 

Bellt mich nur fort, ihr wachen Hunde,

Laßt mich nicht ruh'n in der Schlummerstunde !

Ich bin zu Ende mit allen Träumen.

Was will ich unter den Schläfern säumen ?


17. In the Village

The dogs are barking, the chains are rattling;

The people are sleeping in their beds,

Dreaming of things they don't have,

Refreshing themselves in good and bad.

 

And in the morning all will have vanished.

Oh well, they had their share of pleasure

And hope that what they missed

Can be found again on their pillows.

 

Drive me out with your barking, you vigilant dogs,

Don't let me rest when it's time for slumber.

I am finished with all my dreams.

Why should I linger among the sleepers ?


18. Der stürmische Morgen

Wie hat der Sturm zerrissen

Des Himmels graues Kleid !

Die Wolkenfetzen flattern

Umher im matten Streit.

 

Und rote Feuerflammen

Zieh'n zwischen ihnen hin;

Das nenn' ich einen Morgen

So recht nach meinem Sinn !

 

Mein Herz sieht an dem Himmel

Gemalt sein eig'nes Bild -

Es ist nichts als der Winter,

Der Winter kalt und wild !


18. The Stormy Morning

How the storm has torn asunder

The heavens' grey cover !

The cloud tatters flutter

Around in weary strife.

 

And fiery red flames

Dart around among them;

That's what I call a morning

That really fits my mood !

 

My heart sees in the heavens

Its own image painted -

It's nothing but the winter,

Winter cold and wild !


19. Täuschung

Ein Licht tanzt freundlich vor mir her,

Ich folg' ihm nach die Kreuz und Quer;

Ich folg' ihm gern und seh's ihm an,

Daß es verlockt den Wandersmann.

 

Ach ! wer wie ich so elend ist,

Gibt gern sich hin der bunten List,

Die hinter Eis und Nacht und Graus,

Ihm weist ein helles, warmes Haus.

 

Und eine liebe Seele drin. -

Nur Täuschung ist für mich Gewinn !


19. Illusion

A light does a friendly dance before me,

I follow it here and there;

I like to follow it and watch

The way it lures the wanderer.

 

Ah, a man as wretched as I am

Is glad to fall for the merry trick

That, beyond ice and night and fear,

Shows him a bright, warm house.

 

And a loving soul within -

Only illusion lets me win !


20. Der Wegweiser

Was vermeid' ich denn die Wege,

Wo die ander'n Wand'rer geh'n,

Suche mir versteckte Stege,

Durch verschneite Felsenhöh'n ?

 

Habe ja doch nichts begangen,

Daß ich Menschen sollte scheu'n, -

Welch ein törichtes Verlangen

Treibt mich in die Wüstenei'n ?

 

Weiser stehen auf den Straßen,

Weisen auf die Städte zu.

Und ich wandre sonder Maßen

Ohne Ruh' und suche Ruh'.

 

Einen Weiser seh' ich stehen

Unverrückt vor meinem Blick;

Eine Straße muß ich gehen,

Die noch keiner ging zurück.

20. The Sign Post

Why then do I avoid the highways

Where the other travelers go,

Search out the hidden pathways

Through the snowy mountain tops ?

 

I've committed no crime

That I should hide from other men -

What is the foolish compulsion

That drives me into desolation ?

 

Signposts stand along the highways

Pointing to the cities,

And I wander ever further

Without rest and look for rest.

 

Before me I see a signpost standing

Fixed before my gaze.

I must travel a road

From which no one ever returned.

 


21. Das Wirtshaus

Auf einen Totenacker

Hat mich mein Weg gebracht;

Allhier will ich einkehren,

Hab ich bei mir gedacht.

 

Ihr grünen Totenkränze

Könnt wohl die Zeichen sein,

Die müde Wand'rer laden

Ins kühle Wirtshaus ein.

 

Sind denn in diesem Hause

Die Kammern all' besetzt ?

Bin matt zum Niedersinken,

Bin tödlich schwer verletzt.

 

O unbarmherz'ge Schenke,

Doch weisest du mich ab ?

Nun weiter denn, nur weiter,

Mein treuer Wanderstab !


21. The Inn

My way has led me

To a graveyard;

Here I’ll stop,

I told myself.

 

You green mourning garlands

Must be the sign

That invites weary travelers

Into the cool inn.

 

What, all the rooms

In this house are full?

I’m tired enough to drop,

Have taken mortal hurt.

 

Oh, merciless inn,

You turn me away?

Well, onward then, still further,

My loyal walking staff!


22. Mut

Fliegt der Schnee mir ins Gesicht,

Schüttl' ich ihn herunter.

Wenn mein Herz im Busen spricht,

Sing' ich hell und munter.

 

Höre nicht, was es mir sagt,

Habe keine Ohren;

Fühle nicht, was es mir klagt,

Klagen ist für Toren.

 

Lustig in die Welt hinein

Gegen Wind und Wetter !

Will kein Gott auf Erden sein,

Sind wir selber Götter !


22. Courage

If the snow flies in my face,

I shake it off again.

When my heart speaks in my breast,

I sing loudly and gaily.

 

I don't hear what it says to me,

I have no ears to listen;

I don't feel when it laments,

Complaining is for fools.

 

Happy through the world along

Facing wind and weather !

If there's no God upon the earth,

Then we ourselves are Gods !


23. Die Nebensonnen

Drei Sonnen sah ich am Himmel steh'n,

Hab' lang und fest sie angeseh'n;

Und sie auch standen da so stier,

Als wollten sie nicht weg von mir.

 

Ach, meine Sonnen seid ihr nicht !

Schaut ander'n doch ins Angesicht !

Ja, neulich hatt' ich auch wohl drei;

Nun sind hinab die besten zwei.

 

Ging nur die dritt' erst hinterdrein !

Im Dunkel wird mir wohler sein.


23. The False Suns

I saw three suns in the sky,

Stared at them hard for a long time;

And they stayed there so stubbornly

That it seemed they didn't want to leave me.

 

Ah, you are not my suns !

Go, look into someone else's face !

Yes, recently I, too, had three

But now the best two have gone down.

 

If only the third would also set !

I will feel better in the dark.


24. Der Leiermann

Drüben hinterm Dorfe

Steht ein Leiermann

Und mit starren Fingern

Dreht er was er kann.

 

Barfuß auf dem Eise

Wankt er hin und her

Und sein kleiner Teller

Bleibt ihm immer leer.

 

Keiner mag ihn hören,

Keiner sieht ihn an,

Und die Hunde knurren

Um den alten Mann.

 

Und er läßt es gehen,

Alles wie es will,

Dreht, und seine Leier

Steht ihm nimmer still.

 

Wunderlicher Alter !

Soll ich mit dir geh'n ?

Willst zu meinen Liedern

Deine Leier dreh'n ?

24. The Hurdy-Gurdy Man

Over there beyond the village

Stands an organ-grinder,

And with numb fingers

He plays as best he can.

 

Barefoot on the ice,

He totters here and there,

And his little plate

Is always empty.

 

No one listens to him,

No one notices him,

And the dogs growl

Around the old man.

 

And he just lets it happen,

As it will,

Plays, and his hurdy-gurdy

Is never still.

 

Strange old man,

Shall I go with you ?

Will you play your organ

To my songs ?